Hochsensibilität


Bist du auch hochsensibel?

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Eye by Photo Dropper

Die US-amerikanische Psychologin Dr. Elaine Aron hat das Phänomen HSP (High sensitive person) 1997 beschrieben, die Forschung reicht zurück bis in die siebziger Jahre. Aron zufolge nimmt jeder Mensch Informationen aus seiner Umwelt auf und verarbeitet sie je nach Relevanz weiter, das Unwichtige wird vergessen. Hochsensiblen fehlt ein solcher Filter. Sie nehmen nahezu alles auf und sind deshalb schnell reizüberflutet. Belebte Orte sind für sie nur schwer erträglich, die Vielzahl der Sinneseindrücke überfordert sie.

Viele hochsensible Menschen reagieren auf Lärm, Licht, Kälte oder Hitze überempfindlich. Andere können sich besonders gut in ihre Mitmenschen hineinversetzen, fühlen, was der andere fühlt, und spüren sogar, ob das Gegenüber gerade lügt. Laut Aron sind bis zu 15 Prozent der Bevölkerung hochsensibel und es wird laut Ihr in den meisten Fällen vererbt. Gesichert sind diese Angaben nicht. Besondere Reizempfindlichkeit kann nicht medizinisch diagnostiziert werden, die Ausprägungen bei den Betroffenen variieren stark.

Hochsensibilität gilt nicht als Krankheit, sondern als Wesenszug. HS kann aber chronische Krankheiten auslösen, weil man nicht gelernt hat, sich abzugrenzen. HSP haben einen weiteren und tieferen Blick auf die Welt, ein grossen Gerechtigkeitsempfinden und Harmoniebedürfnis, sind sehr reflektiert und ernsthaft, häufig spirituell.

Weitere HS-typische Eigenschaften sind:

  • ausgeprägte subtile Wahrnehmung (vielschichtige Fantasie und Gedankengänge)
  • erhöhte Schmerzempfindlichkeit
  • detailreiche Wahrnehmung
  • hohe Begeisterungsfähigkeit, sehr vielseitige Interessen
  • sehr ausgeprägtes Langzeitgedächtnis
  • psychosoziale Feinwahrnehmung (Befindlichkeiten, Stimmungen und Emotionen anderer Menschen werden leichter und detaillierter erkannt)
  • stärker beeinflussbar durch Stimmungen anderer Menschen
  • ausgeprägtes intuitives Denken
  • langer emotionaler „Nachklang“ des Erlebten
  • Denken in größeren Zusammenhängen
  • ausgeprägter Altruismus, Gerechtigkeitssinn
  • Harmoniebedürfnis, Gewissenhaftigkeit
  • Intensives Erleben von Kunst und Musik
  • Perfektionismus
  • intensives Empfinden
  • meist vielschichtige komplexe und stabile Persönlichkeit (Instabilitäten wie bei Borderline, Psychosen o. ä. sind kein Merkmal der HS; dennoch können solche als Folge einer psychischen Erkrankung durchaus präsent sein)

Mögliche Nachteile der HSP (solange man nicht daran arbeitet)

  • geringe Stressresistenz
  • schnelle Gereiztheit
  • Überraktion
  • Gefühl von Überforderung
  • zu starke Anpassung
  • zu wenig Abgrenzung
  • unter Beobachtung sinkt die Leistungsfähigkeit
  • starke Beeinflussung durch Stimmungen anderer
  • Kofliktscheue

TEST

„BIN ICH HOCHSENSIBEL?“
Der Originaltest von Elaine Aron

Antworte mit „zutreffend“, wenn die Aussagen zumindest teilweise zutreffen, und „unzutreffend“ wenn du dir kaum oder überhaupt nicht mit den Aussagen identifizieren kannst.

  1. Offenbar habe ich eine feine Wahrnehmung für Unterschwelliges in meiner Umwelt.
  2. Die Stimmungen anderer Menschen beeinflussen mich.
  3. Ich reagiere eher empfindlich auf körperlichen Schmerz.
  4. Ich habe an geschäftigen Tagen das Bedürfnis, mich zurückzuziehen – entweder in ein dunkles Zimmer oder an einen anderen Ort, wo ich allein sein und mich von der Stimulation erholen kann.
  5. Auf Koffein reagiere ich heftiger als viele andere Menschen.
  6. Ich fühle mich schnell überwältigt von Dingen wie grelle
  7. Lichter, starke Gerüche, raue Textilien auf meiner Haut oder Martinshörner in meiner Nähe.
  8. Ich besitze ein reiches, vielschichtiges Innenleben.
  9. Laute Geräusche bereiten mir Unbehagen.
  10. Musik und Kunst bewegen mich tief.
  11. Ich bin ein gewissenhafter Mensch.
  12. Ich bin schreckhaft.
  13. Es bringt mich leicht aus der Fassung, wenn ich in kurzer Zeit viel erledigen muss.
  14. Wenn andere Menschen sich in einer Umgebung unwohl fühlen, weiß ich eher als manche andere, was notwendig ist, um Wohlbefinden herzustellen (zum Beispiel durch eine Veränderung der Beleuchtung oder der Sitzordnung).
  15. Ich werde ärgerlich, wenn man von mir erwartet, zu viele Dinge gleichzeitig zu tun.
  16. Ich gebe mir große Mühe, Fehler zu vermeiden oder Dinge nicht zu vergessen.
  17. Fernsehsendungen und Spielfilme mit Gewaltszenen meide ich.
  18. Ich fühle mich unangenehm erregt, wenn sich um mich herum viel abspielt.
  19. Veränderungen in meinem Leben treffen mich sehr heftig.
  20. Ich bemerke und genieße feine Düfte, Geschmäcker, Klänge oder Kunstwerke.
  21. Für mich ist es sehr wichtig, mein Leben so zu organisieren, dass ich Situationen vermeide, in denen ich mich ärgern muss oder die mich überwältigen.
  22. Wenn ich mit anderen Menschen konkurrieren muss oder beobachtet werde, während ich eine Aufgabe erfülle, macht mich das so nervös und unsicher, dass ich weitaus schlechter abschneide, als ich eigentlich könnte.
  23. Als Kind haben meine Eltern und Lehrer mich als sensibel oder schüchtern angesehen.

Ergebnisse: Wenn du mehr als 12 Aussagen als zutreffend markiert hast, bist du wahrscheinlich eine Highly Sensitive Person.

Sollte die Zahl zwar geringer sein, die betreffenden Aussagen aber in extremem Maße zutreffen, so könntest du ebenfalls zu den betroffenen Menschen zählen.

Quelle: Elaine N. Aron, Ph.D, The Higly Sensitive Person (New York Broadway Books, 1997)

Möchtest du mehr über Hochsensibilität erfahren? In meinen Buchempfehlungen findest du weitere Literatur dazu.

Am 19.06.17 haben die wunderbare Yvonne Marschner und ich ein Live Talk über Hochsensibilität und Scannerpersönlichkeit im Rahmen des Berufungsretreats von www.berufungerleben.com gehalten. Das Video dazu findest du hier:

Hochsensibilität und Scannerpersönlichkeit

Du bist gut so, wie du bist!

Alles Liebe, Leichtigkeit und Freude

Nadine